Jüdische kulturelle Einrichtungen
Das Fachreferat „Jüdische kulturelle Einrichtungen“ berät und fördert jüdische kulturelle Einrichtungen, d.h. jüdische Museen, ehemalige Synagogen sowie Museen, die Objekte mit jüdischem Bezug bewahren.
Vielfältiges jüdisches Leben war jahrhundertelang ein integraler Bestandteil vieler Orte in Bayern. Jüdinnen und Juden nahmen teil am lokalen Handel, der Industrie, dem Finanzsystem, der Kultur, den Sport- und anderen Vereinen, der Verwaltung, der Politik sowie der Bildung. Museen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dieses Bewusstsein nachhaltig zu fördern und den Dialog zu aktuellen gesellschaftlichen Themen anzuregen.
Beratung zur Provenienzforschung durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern
Beratung durch die Landesstelle
Mindestens 115 bayerische Einrichtungen bewahren Objekte auf, die in Verbindung zur lokalen jüdischen Geschichte stehen. Dazu zählen jüdische Museen, ehemalige Synagogen sowie stadt- und kulturhistorische Museen. Zu den zentralen Aufgaben dieser Häuser gehören die Dokumentation und Erforschung von Objekten mit Bezug zur jüdischen Religion und zum jüdischen Alltag, ihre Einbindung in stadt- und regionalgeschichtliche Ausstellungen sowie die Sichtbarmachung der vielfältigen Verflechtungen zwischen jüdischem und christlichem Leben im öffentlichen Raum. Zugleich thematisieren sie materielle Spuren der Verluste, die durch Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden entstanden sind, darunter die Zweitnutzung jüdischen Eigentums und jüdischer Grabsteine, Raubkunst, antisemitische Darstellungen. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, ein differenziertes Bild jüdischen Lebens in Bayern zu vermitteln, das religiöse Praxis und Verfolgungserfahrungen einschließt, jüdische Geschichte jedoch zugleich als integralen Bestandteil der Stadt-, Landes- und Regionalgeschichte verankert.
Ob im Rahmen einer Neukonzeption oder Überarbeitung einer Dauerausstellung, das Fachreferat unterstützt die musealen Einrichtungen bei der Umsetzung dieser Aufgaben. Die Beratung umfasst sowohl fachliche Begleitung zur musealen Darstellung jüdischen Kulturerbes als auch Informationen zu Fördermöglichkeiten der Landesstelle und zu ausstellungsbezogenen Projekten im Bereich des jüdischen Kulturerbes.
Wir sind für Sie da bei:
- Beratung zur Fördermöglichkeiten der Landesstelle und zu ausstellungsbezogenen Projekten zum jüdischen Kulturerbe
- Fragen rund um Jüdische Geschichte, Kultur und Religion
- Identifizierung von jüdischen Highlight-Objekten in Ihrer Sammlung und von Alleinstellungsmerkmalen der lokalen jüdischen Geschichte
- Empfehlungen zur Sichtbarmachung und Vermittlung jüdischer Themen und Geschichte als integralem Bestandteil der bayerischen und deutschen Geschichte
- Sensibilisierung im Umgang mit antisemitischen Darstellungen und Inhalten in Ihrer bestehenden Dauerausstellung
- Unterstützung bei der Nutzung innerjüdischer Quellen aus internationalen Archiven und von Genisafunden sowie wissenschaftlicher Literatur
- Vernetzung und Austausch
Weiterführende Links und Ressourcen
Finanzielle Fördermöglichkeiten zu jüdischem Kulturerbe
- Blank-Mezger-Hesselberger Stiftung (externer Link, öffnet neues Fenster)
- European Jewish Heritage - Rothschild Foundation Hanadiv Europe (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Szloma-Albam-Stiftung (externer Link, öffnet neues Fenster)
Institutionen und Netzwerke
- Netzwerk jüdisches Leben und Erbe in Bayern (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Beauftragter der bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Netzwerk Jüdische Geschichte und Kultur in Bayerisch-Schwaben e.V. (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Netzwerk Jüdisches Franken (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Jüdische Orte in Stadt und Landkreis Würzburg (externer Link, öffnet neues Fenster)
Datenbanken
- Alemannia Judaica: Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum (externer Link, öffnet neues Fenster)
- bavarikon: „Das jüdische Erbe Bayerisch-Schwabens. Kultur und Alltag des Landjudentums von 1560-1945“ (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Center for Jewish History (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Jewish Places (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Jüdisches Leben in Bayern - Haus der Bayerischen Geschichte (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Jüdische Gemeindearchive in Bayern (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Ktiv | Digitized Hebrew manuscripts (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Medieval Ashkenaz - Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich (externer Link, öffnet neues Fenster)
- The National Library of Israel (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Yad Vashem: Digital Collections (externer Link, öffnet neues Fenster)
Jüdische Museen
In Bayern bestehen drei zentrale jüdische Museen: das Jüdische Museum München, das Jüdische Museum Schwaben in Augsburg sowie das Jüdische Museum Franken mit Standorten in Fürth, Schwabach und Schnaittach. Jedes dieser Häuser bewahrt und vermittelt das regionale jüdische Kultur- und Religionserbe in Vergangenheit und Gegenwart. Damit nehmen sie eine zentrale Rolle bei der öffentlichen Wahrnehmung des Judentums und jüdischen Lebens in Bayern ein und tragen wesentlich dazu bei, Antisemitismus entgegenzuwirken. Ergänzt werden sie durch kleinere jüdische Museen, wie das Jüdische Kulturmuseum Veitshöchheim oder das Museum Jüdische Lebenswege in Kleinsteinach, die jeweils besondere lokale Alleinstellungsmerkmale jüdischer Geschichte und Kultur in den Fokus stellen.
Ehemalige Synagogen
Zahlreiche Synagogen und weitere jüdische Sakralbauten wie Mikwen oder Taharahäuser haben in Städten und im ländlichen Raum Bayerns die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg überstanden. Nach der Zerstörung und Auflösung vieler jüdischer Gemeinden wurden diese Gebäude häufig zweckentfremdet, etwa als Lager, Verwaltungsgebäude oder Wohnhäuser. In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele ehemalige Synagogen saniert und restauriert. Dabei wurden nicht selten auf ihren Dachböden jahrhundertealte Genisa-Sammlungen entdeckt, darunter vor allem ausgediente religiöse- sowie alltägliche Flachwaren, die für die Forschung und museale Präsentation von großer Bedeutung sind. Heute dienen in Bayern rund 50 ehemalige Synagogen als Ausstellungs- und Veranstaltungsorte, meist getragen und betreut durch ehrenamtliches Engagement und lokale Vereine.
Stadt- und kulturhistorische Museen
Da jüdisches Leben seit dem Mittelalter in nahezu allen Regionen Bayerns präsent war, widmen sich auch zahlreiche nichtjüdische stadt- und kulturhistorische Museen der lokalen jüdischen Geschichte. Dabei geht es nicht nur um eine punktuelle Thematisierung, sondern zunehmend um die Integration jüdischer Geschichte als selbstverständlichen Bestandteil der Gesamtpräsentation – sei es in eigenen Abteilungen oder, idealerweise, verteilt über verschiedene Themenbereiche der Dauerausstellung. Die Präsenz jüdischer Geschichte in den Stadt- und kulturhistorische Museen macht das Zusammenleben von Jüdinnen und Juden und der christlichen Mehrheitsgesellschaft sichtbar und zeigt jüdisches Leben als integralen Bestandteil städtischer und ländlicher Gesellschaften, etwa in Wirtschaft, Kultur, Politik, Handel, Industrie und Sport.
Veröffentlichungen der Landesstelle
weitere VeröffentlichungenSammlungsobjekte mit jüdischen Bezügen
Ansprechperson
Jüdische kulturelle Einrichtungen
- Mobil:
- +49 1621075112