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Künstliche Intelligenz im Museum

Die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) stellen auch Museen und den Kultursektor vor neue Herausforderungen und Chancen.

Die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern hat das Thema bewusst aufgegriffen und beschäftigt sich intensiv mit den Auswirkungen und Potenzialen von KI im Museum.

Potenziale und Risiken von Künstlicher Intelligenz in Kulturinstitutionen

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bietet für Kulturinstitutionen zahlreiche Möglichkeiten, birgt jedoch auch Risiken. Ob bei der Erschließung von Sammlungen, der Vermittlung von Inhalten, im Museumsmarketing, der Umsetzung von Vorgaben zu digitaler Barrierefreiheit oder administrativen Aufgaben – KI kann die Arbeit in Kulturinstitutionen erleichtern und bereichern. Diese Entwicklungen sind nicht neu, sondern haben sich bereits vor der Vorstellung von ChatGPT abgezeichnet und sind vielfach bewusst oder unbewusst Teil des Arbeitsalltags geworden. 

Zum derzeitigen Stand der Entwicklung bringt die Nutzung von KI jedoch auch Herausforderungen mit sich, beispielsweise beim Umgang mit sogenannten Halluzinationen, Biases und fehlenden Trainingsdaten. Es gibt außerdem rechtliche Ungewissheiten: So sind das Urheberrecht, der Datenschutz (EU AI-Act (externer Link, öffnet neues Fenster)) beim Umgang mit persönlichen Daten, auch Haftungsfragen bei Empfehlungen sowie die digitale Barrierefreiheit berührt.

Daher ist es wichtig, diese Aspekte vor dem Einsatz sorgfältig abzuwägen und sicherzustellen, dass KI im Museum in einer verantwortungsvollen und ethischen Weise eingesetzt wird.

Generative KI-Modelle

Seit der Vorstellung von ChatGPT im Jahr 2022 stehen insbesondere generative KI-Modelle im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Diese sind in der Lage, Texte, Bilder, Audio und Videos zu verarbeiten und selbst zu erzeugen. Die technologische Entwicklung verlief in den letzten Jahren rasant: Neben Open AI haben große Internetkonzerne ebenfalls generative KI-Modelle entwickelt, darunter Google Gemini, Microsoft Copilot und Meta Llama. Daneben gibt es eine Vielzahl von kleineren, spezialisierten KI-Anwendungen. KI-Sprachassistenten sind zunehmend in Produkten und Geräten integriert, etwa in Suchmaschinen, Office-Anwendungen und sozialen Medien. Dadurch wird der Umgang mit KI für die Nutzenden intuitiv und einfach und macht ihren Einsatz nahezu unvermeidbar. 

Generative KI unterstützt dabei, Zusammenfassungen zu erstellen, Texte zu verfassen und zu redigieren, Präsentationen zu gestalten sowie E-Mails zu schreiben. Sie hilft auch, Social-Media-Beiträge und Kampagnen für verschiedene Plattformen zu erstellen und fertigt Übersetzungen an. So hat generative KI das Potenzial, viele Arbeitsbereiche, grundlegend zu verändern.

Zudem ermöglicht generative KI ermöglicht die Automatisierung vielfältiger Prozesse, etwa durch KI-Agenten, die eigenständig Nachrichten lesen, sortieren und beantworten können. Sie kann große Datenmengen verarbeiten und unterstützt beispielsweise bei der Analyse und Transkription von Handschriften. Auch bestehende Digitalisierungsprojekte können von KI profitieren, etwa durch die Nachqualifizierung von Daten. 
 

Was erzählen ChatGPT, Bing Chat und Gemini über mein Museum?

Durch das Stellen von Fragen an KI-Chatbots können Museen besser beurteilen, wie gut diese bereits digital veröffentlichte Inhalte verarbeiten oder ob sie dazu neigen, Halluzinationen zu generieren, Wissenslücken aufweisen und Zusammenhänge verkennen. Wir haben einige Beispielfragen zum Ausprobieren zusammengetragen.

KI-Bildgeneratoren

Roboter spricht mit Museumsmitarbeiterinnen im Museum
Mit DALL·E 3 generiertes Bild zu KI im Museum (August 2024) © erstellt mit DALL·E 3
Ein Museumsmitarbeiter steht vor einem Kunstwerk, auf dem ein Roboter zu ihm spricht
Mit DALL·E 2 generiertes Bild zu KI im Museum (April 2023) © erstellt mit DALL·E 2

KI und das Museumspublikum

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Arbeitswelt und die Art und Weise, wie Museen Inhalte schaffen, sondern hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf das Rezeptionsverhalten der Besuchenden. Museen experimentieren derzeit mit vielfältigen KI-Anwendungen, um das Publikum aktiv einzubinden und neue Zugänge zu kulturellen Inhalten zu schaffen. Beispiele hierfür sind KI-Guides, die Besucherinnen und Besucher durch Ausstellungen führen, KI-generierte Inhalte für soziale Medien und Ausstellungen oder interaktive KI-Stationen, an denen die Besuchenden selbst kreativ werden können – etwa durch die Interaktion mit sprechenden Robotern und Prompting Challenges.

Diese Entwicklungen werfen medienpädagogische Fragen auf. Wie kann KI sinnvoll, ethisch und sinnstiftend in der medialen Vermittlung eingesetzt werden? Sollten KI-generierte Inhalte in Ausstellungen integriert werden, beispielsweise animierte Skulpturen oder historische Fotografien, die zum Sprechen gebracht werden? Ein weiterer Aspekt betrifft den Umgang mit Besuchenden, die bereits mit KI sozialisiert sind. Können Museen hier eine medienpädagogische Rolle übernehmen, um kritische Medienkompetenz zu fördern? Welche Werte sollen dabei vermittelt werden? Wie gehen Museen mit Phänomenen Ki-generierter Desinformation um, beispielsweise in Form von Deepfakes oder KI-Slop? Museen stehen in der Verantwortung, diese Fragen reflektiert zu adressieren.

Ähnlich wie bei der Anwendung anderer Technologien im Museum eröffnen KI-Anwendungen neue Möglichkeiten, Ausstellungen als Diskursräume zu gestalten und die Auseinandersetzung mit neuer Technik zu fördern. Doch es stellt sich die Frage, was nach dem ersten Kennenlernen neuer Technologien kommt: Welche Anwendungen sind mittelfristig sinnvoll und gehen über das bloße Experimentieren hinaus? Wie können Museen mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt halten?

Weiterführende Links und Ressourcen

Beratung & Zusammenarbeit

Gerne unterstützt die Landesstelle beratend Pilotprojekte zu KI in Museen in Bayern. Sollten Sie Interesse an einem Austausch oder bereits ein konkretes Projekt geplant haben, freuen wir uns auf Ihre Fragen, Anregungen und Erfahrungen!

Ansprechpersonen

Anna Blenninger M. A.

Porträt von Anna Blenninger

Digitale Strategie (Medienstationen, KI, digitale Anwendungen, Social Media) & Barrierefreiheit

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+49 9141 7009437

Sybille Greisinger M. A.

Sybille Greisinger M. A.

Digitalisierung/Inventarisierung

VINO, BYSEUM, Online-Sammlungsmodul, EDV-Tage

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Dr. Stefan Kley

Porträt von Stefan Kley

Stellvertretender Leiter der Landesstelle

Kunst- und Kulturhistorische Museen: Unterfranken; Technikmuseen und industriegeschichtliche Museen

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Dr. Martin Spantig

Porträt von Martin Spantig

Denkmalschutz, Museum, Tourismus und Lebenswelt

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