Bekanntgabe der Preisträger des Förderpreises „Vermittlung im Museum” der Bayerischen Sparkassenstiftung 2025
„Tür zum Museum“ – Rede von Helena Blickenberger, Geschäftsführender Vorstand der Bayerischen Sparkassenstiftung, am 10. Juli 2025 um 11.00 Uhr in den Mainfrankensälen Veitshöchheim, Mainlände 1, 97209 Veitshöchheim
(Es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrten Damen und Herren,
stellen Sie sich für einen Moment eine Tür vor. Nicht irgendeine Tür – sondern eine Museumstür.
Sie kann schwer und ehrwürdig sein, aus Holz mit Patina. Oder modern, aus Glas, offen und lichtdurchflutet.
Aber immer steht sie für dasselbe: Zugang.
Museen sind Häuser mit vielen Türen.
Manche sind weit geöffnet, andere nur einen Spalt breit. Wieder andere – das zeigt uns die Realität – sind für manche Menschen schlicht verschlossen.
Doch genau hier beginnt Vermittlung: im Bestreben, diese Türen zu öffnen – für alle.
- Für Kinder, die spielerisch lernen wollen.
- Für Jugendliche, die sich selbst und ihre Gegenwart im Museum wiederfinden möchten.
- Für Menschen mit Behinderungen, deren Teilhabe an Kultur keine Ausnahme, sondern Normalität sein sollte.
Museen können Brücken schlagen, Schwellen senken – und Türen aufstoßen.
Aber dafür braucht es Ideen. Es braucht Haltung. Und es braucht Menschen, die sagen: „Diese Tür machen wir weit.“ Und wo entstehen solche Ideen? Wo entsteht eine solche Haltung?
Ich selbst bin noch nicht lange Teil in Ihrer Welt. Aber was ich in dieser Zeit erlebt habe, hat mich tief beeindruckt: Die vermeintlich verstaubten Museen Bayerns mögen vielleicht auf den ersten Blick nur Geschichte bewahren – doch wer ihnen näher begegnet, erkennt schnell: Hier schlägt das Herz kultureller Innovation.
Sie sind Werkstätten des gesellschaftlichen Dialogs. Sie sind mutig, offen, unkonventionell. Sie nutzen ihre Nähe zur Region, ihre Verwurzelung in den Gemeinden, um neue Ideen direkt in die Lebenswirklichkeit der Menschen zu tragen.
Hier wird ausprobiert, reflektiert, mutig gehandelt. Gerade hier entstehen neue Formen der Vermittlung, der Teilhabe, der kulturellen Bildung.
Auch wir als Bayerische Sparkassenstiftung stehen genau dafür – ein sichtbares Zeichen dieses Denkens ist unsere Preisstele.
Sie stellt eine sich öffnende Museumstür dar – ein Symbol für Offenheit, für Einladung zum Perspektivwechsel.
Wer sich der Pforte nähert, erkennt sich selbst im Spiegel der Stele – aus verschiedenen Blickwinkeln und in vielen Facetten.
Und auch die Herkunft des Preissymbols ist bedeutend: Es wurde gefertigt in der Pfennigparade, einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung.
Ein stilles, aber kraftvolles Zeichen für gelebte Inklusion.
Lassen Sie uns nun aber die Projekte würdigen, die mit genau diesem Geist Türen öffnen:
Das Stadtmuseum Aichach erhält den Hauptpreis – für ein beeindruckendes Konzept, das Menschen mit geistiger Behinderung gezielt anspricht.
Gemeinsam mit der Lebenshilfe Aichach-Friedberg entstehen neue Vermittlungsangebote – barrierearm, einladend, menschlich.
Das Projekt zeigt: Es genügt nicht, eine Tür aufzustoßen – man muss auch sagen: „Du bist willkommen.“
Gratulation und Preisübergabe
Zwei Projekte, die ebenfalls Türen öffnen, wollen wir nun mit den beiden Nebenpreisen würdigen. Der erste Nebenpreis geht an das Spessartmuseum.
Das Spessartmuseum beleuchtet mit seinem Projekt „Ausgegrenzt – gestern, heute, morgen?“ Biografien von Menschen am Rand der Gesellschaft – damals wie heute.
Es schafft mittels interaktiver Medien einen Gegenwartsbezug, der unter die Haut geht.
Eine Tür zur Geschichte – und zugleich ein Spiegel unserer Zeit.
Gratulation und Preisübergabe
Der zweite Nebenpreis geht an das Museum Treuchtlingen.
Das Museum Treuchtlingen wiederum zeigt mit dem Projekt „Zeig mir mein Museum!“ in Kooperation mit der Senefelder Schule und der Weißenburger Bühne, wie man Kindern und Jugendlichen echte Teilhabe ermöglicht.
Nicht durch vorgefertigte Programme, sondern indem man ihnen Raum gibt, sich ihr Museum selbst zu erschließen – und dabei neue, eigene Türen zu öffnen.
Gratulation und Preisübergabe
Meine Damen und Herren,
diese drei Projekte zeigen eindrucksvoll: Vermittlung ist kein Begleitprogramm. Sie ist eine Haltung.
Sie ist der Schlüssel zur Tür – und manchmal auch das Licht dahinter.
Im Namen der Bayerischen Sparkassenstiftung gratuliere ich nochmals allen Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich – und danke allen Beteiligten für ihren Beitrag zu einem offenen, vielfältigen und zukunftsfähigen Museum.
Lassen Sie uns gemeinsam weiterhin Türen öffnen.