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Nachhaltige Museumsarbeit

Museen können bei der Förderung von nachhaltiger Entwicklung einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Neben der Wissensvermittlung an das Publikum besteht für sie die Aufgabe, die eigenen Arbeitsweisen zu hinterfragen und nachhaltiges Handeln zu entwickeln und umzusetzen.

Ressourcenknappheit im Museum

In der Regel sind die im Museum vorhandenen Ressourcen — Materialien, Personal, Gelder — knapp. Nachhaltig genutzt werden sie, wenn sie nicht nur wirtschaftlich vertretbar, sondern auch umwelt- und sozialverträglich eingesetzt werden, um die gewünschten und bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Das bedeutet beispielsweise, dass die im Museum vorhandenen Mittel für aktuelle Maßnahmen nur in dem Maße genutzt werden sollten, dass der Ressourcenbedarf des allgemeinen Museumsbetriebs und jener zukünftiger Vorhaben befriedigt werden kann.

Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.

Definition von Nachhaltiger Entwicklung, Brundtland Bericht (1987)

Nachhaltiges Ausstellungsmanagement

Für eine nachhaltige Ausrichtung des Ausstellungsmanagements wie auch des gesamten Museumsbetriebs sind die gewünschten Ergebnisse hinsichtlich eines anzunehmenden Ressourcenver- bzw. -gebrauchs und damit auch zu verantwortenden Kosten im Vorfeld zu reflektieren und Wunschvorstellungen entsprechend anzupassen. Folgende Prinzipien und damit verbundene Fragestellungen können bei der Reflexion eines Ausstellungsprojekts beispielsweise hilfreich sein:

Reflexionsfragen für nachhaltige Ausstellungsprojekte

  1. Das Prinzip der Suffizienz bedeutet eine bewusste Entscheidung für den Verbrauch oder Gebrauch von Ressourcen - am Anfang steht also damit zuerst die Frage:
    „Brauchen wir diese Ausstellung wirklich? Und wenn ja, in welchem Umfang?”
  2. Das Prinzip der Effizienz fragt nach dem zielorientierten Einsatz der Mittel - also ist beispielsweise zu beantworten, „ob sich der Aufwand für eine aktivierende Station (digital) lohnt oder sich die Vermittlungsziele auch auf kostengünstigerem Weg erreichen lassen?”.
  3. Das Prinzip der Konsistenz fordert einen Mitteleinsatz, ohne dass Ressourcen unwiederbringlich verloren gehen, nicht mehr wieder zu beschaffen sind oder sich nicht wieder erholen können - frei nach dem Motto „der Zweck heiligt nicht alle Mittel”.

Weiterführende Links und Ressourcen

Orientierungshilfen und Plattformen

Die Landesstelle will die Museen in die Lage versetzen, sich eigenständig, mit Kolleginnen und Kollegen und im Verbund mit anderen Häusern für ihre eigene Zukunftsfähigkeit und damit nicht zuletzt für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu engagieren. Erste Anregungen für eine Reflexion des eigenen Betriebs und der verschiedenen Arbeitsfelder im Museum bieten folgende Informationsquellen:

  • Der Deutsche Museumsbund (DMB) will mit seinem Projekt „Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Museum“ in einem ersten Schritt praktische Handlungsempfehlungen für einen klimaneutralen Museumsbetrieb zusammenstellen. Beispielsweise: Wo oder wie lassen sich Emissionen vermeiden, ohne die Erfüllung der museumsspezifischen Aufgaben zu beeinträchtigen? In der zweiten Phase des Projekts sollen Überlegungen für ein Zertifizierungsmodell auf der Basis des zuvor erarbeiteten Maßnahmenkatalogs folgen.
  • Museen können sich mit anderen Kulturinstitutionen austauschen, wie sie Schritte mit dem Ziel einer klimaneutralen Betriebsökologie planen und umsetzen können. Das Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit listet Institutionen, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben. Zudem bietet die vom BKM geförderte Anlaufstelle für Vertreterinnen und Vertretern der Museen bzw. ihrer Trägerinnen und Träger die Möglichkeit, sich weiter zu bilden zur Transformationsmanagerinnen und -Managern sowie Nachhaltigkeitsbotschafterinnen und -Botschaftern für eine nachhaltige Kultur.
  • Ob das Ziel des klimaneutralen Museums durch die Vermeidung von Emissionen oder deren Kompensation je erreicht werden kann? Sicherlich kann das Erstellen einer Klimabilanz das gesamte Personal sensibilisieren und Handlungspotenziale aufdecken, um Maßnahmen zeitnah Schritt für Schritt umzusetzen. Aktuell befindet sich in Deutschland ein CO2 Rechner gemäß dem Greenhouse Gas Protocol in der Erprobungsphase. Diese Möglichkeit der Klimabilanzierung wird als Projekt vom Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit umgesetzt. Das Instrument dieser Klimabilanzierung wurde von Julie’s Bicycle, eine Non-Profit-Organisation aus Großbritannien, entwickelt und wird nun für Deutschland angepasst.
  • Beim bundesweiten Pilotprojekt „Klimabilanzen in Kulturinstitutionen“, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, haben sich auch Museen beteiligt und ihren CO2-Fußabdruck ermittelt sowie ihre weiterführenden Überlegungen dokumentiert.
  • Empfehlungen, wie Museen ihr transformatorisches Potenzial nutzen können, wurde von Julie‘s Bicycle umfassend zusammengestellt (nur in englischer Sprache verfügbar).
  • Einen Leitfaden, wie Museen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren können, sich für die Einsparung und nachhaltige Nutzung von Ressourcen einzusetzen, stellt das Bayerische Landesamt für Umwelt zur Verfügung.
  • Grundlegende Informationen, welche Relevanz die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung für die Museumspraxis haben und wie Museen zur Erreichung der Ziele beitragen können, hat Henry McGhie in seiner Broschüre "Museums and the Sustainble Development Goals" (PDF, nicht barrierefrei) zusammengetragen.
  • "Nachhaltiges Management" sollte keine Parole sein, sondern den Alltag in den Museen bestimmen. Konkrete Anregungen hierzu gibt die Österreichische Richtlinie UZ 208 (PDF, nicht barrierefrei) mit Muss- und Sollkriterien für umweltfreundliches Management und soziale Verantwortung in Museen und Ausstellungshäusern.
  • Die Allianz Kulturerbe, an der sich auch einige Museen beteiligten, betonte in ihrem Appell 2018 "Zukunft braucht Heimat", dass "unser Kulturerbe keine erneuerbare Ressource ist, welche in immer stärkerem Ausmaß bedroht wird von äußeren Einflüssen sowie der Materialalterung selbst".
  • Die Broschüre "EINFACH!MACHEN"(PDF, nicht barrierefrei), ein Kompass für ökologisch nachhaltiges Produzieren im Kulturbereich", herausgegeben von der Kulturstiftung des Bundes, und der "Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen" (PDF, nicht barrierefrei), herausgegeben vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und Umweltbundesamt (UBA) geben praktische Tipps, wie Museen ihre Veranstaltungen nachhaltiger organisieren und umsetzen können.
  • Eine Arbeitsgruppe des DMB-Arbeitskreises Ausstellungen widmet sich seit Herbst 2020 dem intensiven Austausch und der Zusammenstellung von Hinweisen für die Museumspraxis, wobei die ökologische Nachhaltigkeit besonders im Fokus steht. Bereits 2019 beförderte die Herbsttagung des Arbeitskreises in Kooperation mit dem Arbeitskreis Konservierung/Restaurierung das Thema "Bewahren, Ausstellen: Nachhaltig!" (PDF, nicht barrierefrei).
  • Die 2019 gegründete internationale Initiative "Museums for Future" macht zehn konkrete Handlungsvorschläge, wie man heute anfangen kann, den Museumsbetrieb nachhaltig auszurichten. Eine davon sei hier zitiert: "Machen Sie EINE Sache des Museumsbetriebs nachhaltig. Die Stromrechnung, Transport, Verpackungen, ... irgendwas. Wenn Sie jeden Monat eine einzige Sache ändern, wird Ihr Museum bis 2030 grüner als Gras!
  • "Viele Beispiele aus einer nachhaltigen Museumspraxis und Hinweise insbesondere für Kunstmuseen finden sich auf der Internetseite des International Committee for Museums and Collections of Modern Art (CIMAM).
  • Der Bundesverband Museumspädagogik hat 2021 eine Fachgruppe für die Diskussion darüber eingerichtet, wie sich die Museen im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung weiter entwickeln sollten.
  • Informationen zur Berücksichtigung von Umweltaspekten bei der Beschaffung von Leistungen durch öffentliche Auftraggeberinnen und Auftraggeber finden sich in einem Rechtsgutachten des Umweltbundesamtes. Eine im Oktober 2020 aktualisierte Fassung (PDF, barrierefrei) ist auf der Internetseite des UBA abrufbar.
  • Leitfäden für nachhaltige Kulturveranstaltungen, -einrichtungen und -produktionen bieten zahlreiche Hinweise und Tipps für die Gestaltung von kulturellen Veranstaltungen.
  • Booklet Kulturarbeit im Klimawandel des Städtefestivals Kultur.Klima.Kunst.

Konkrete Überlegungen für Entwicklung von Wechsel- und Dauerausstellungen

Konkret heißt dies beispielsweise für die Entwicklung und Umsetzung einer Wechselausstellung oder die Neueinrichtung einer Dauerausstellung:

  • Ein sorgsamer und konservatorisch unbedenklicher Umgang mit den Exponaten ist Voraussetzung, damit der materielle wie auch immaterielle Wert der Kulturgüter bewahrt wird und sie auch zukünftig für Vermittlung und Forschung genutzt werden können.
  • Die Wiederverwendbarkeit von Ausstellungselementen bedingt zwar nur eine eingeschränkte individuelle Gestaltung, mindert aber den CO2-Fußabdruck durch weniger Materialverbrauch und weniger Abfallaufkommen.
  • Eine gute Planung der personellen Ressourcen verhindert das "Ausbrennen" einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wirkt sich positiv auf die Gesundheit des gesamten Teams aus und bewahrt die Leistungsfähigkeit wie auch die Motivation für zukünftige Projekte.
  • Inhalte und Gestaltung der Ausstellung müssen inklusiv ausgerichtet sein und sich um eine barrierefreie Zugänglichkeit bemühen, wobei ein gleichwertiges Ausstellungserlebnis für alle das Ziel ist.
  • Eine vorausschauende Planung von Veranstaltungen kann finanzielle Ressourcen schonen, ermöglicht ein gutes Zeitmanagement und sollte die Verwendung von Materialien im Blick behalten.
  • Als sozialverträglich gilt, alle Leistungen der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch die der externen Dienstleisterinnen und Dienstleister fair zu vergüten.
  • Eine gut abgestimmte Dokumentenablage sichert den direkten Zugriff auf relevante Informationen, schont digitale Speicherkapazitäten, senkt den Energieverbrauch von Servern und spart personelle Ressourcen, da relevante Informationen schnell aufgefunden werden.
  • Der Einsatz der finanziellen Mittel für ein Ausstellungsprojekt darf andere Aufgaben und Funktionen des Museums nicht in dem Maße einschränken, dass der allgemeine Museumsbetrieb aktuell oder zukünftig nicht mehr gewährleistet werden kann.
  • Die Finanzmittel müssen sparsam und wirtschaftlich eingesetzt werden, wobei alle Kosten insbesondere im Lebenszyklus von Produkten betrachtet werden sollen und somit bei der Beschaffung ausdrücklich die Erfüllung sozialer und ökologischer Kriterien gefordert werden kann.

Beratung zu nachhaltiger Museumsarbeit

Mehr erfahren

  • Projekt „Optionen von Low-Energy-Klimatechnik in Depot und Museum“

    Nachhaltigkeit in Bau und Betrieb von Museen und deren Depots bedürfen neuer Konzepte, die zum Ziel haben müssen, die Eckpfeiler musealer Arbeit, das Bewahren, Erforschen und Vermitteln des kulturellen Erbes, mit der konservatorischen Sicherheit des Kulturgutes und der energetischen Optimierung zusammenzubringen. Im Rahmen des Projektes sollen dafür Best Practices erprobt und Leitlinien entwickelt werden, um die bayerischen Museen bestmöglich zu unterstützen.

  • Notfallprävention bei Naturkatastrophen

    Die Naturkatastrophen der letzten Jahre haben die zunehmende Gefährdung von Museen und ihren Sammlungsbeständen durch die Auswirkungen des Klimawandels verdeutlicht. Wie werden Museen zukünftig auf die sich verändernden ökologischen Bedingungen und den damit einhergehenden ökonomischem wie sozialem Wandel reagieren? Welchen Szenarien werden sie gegenüberstehen? Mit welchen vorausschauenden Maßnahmen können sie sich gegenüber Naturkatastrophen, finanziellen Defiziten und gesellschaftspolitischen Veränderungen wappnen?