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Kulturgutentziehungen in SBZ/DDR

Basierend auf dem Grundlagenforschungsprojekt in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (externer Link, öffnet neues Fenster) (2021–2024) soll die Ankaufspraxis bayerischer Kunsthändler und Museen zwischen 1945 und 1990 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der DDR erkundet werden. Damit ist der Freistaat Bayern eines der ersten "alten" Bundesländer, das sich der Aufklärung dieser Fragen zuwendet.

Geschäfte mit dem Osten?

Die Geschäftsbeziehungen der DDR mit dem westlichen Ausland lassen sich im Wesentlichen in zwei Zeitabschnitte gliedern: vor und nach 1973. Mit Gründung der "Kunst und Antiquitäten GmbH" (KuA) des Bereichs "Kommerzielle Koordinierung" der DDR im Jahr 1973 "professionalisierte" sich das Geschäft. Ein Teil der Exporte bestand aus Antiquitäten und Kunstgegenständen, die nur deshalb in den Handel gelangten, weil Druck auf ihre Eigentümerinnen und Eigentümer ausgeübt worden war. Die Vertragspartnerliste der KuA im Bundesarchiv Berlin führt ca. 50 bayerische Unternehmen auf, die Käufer von Kunstgegenständen mit teils heikler Provenienz gewesen sind und bei denen nachweislich auch bayerische Museen Erwerbungen getätigt haben.

Zur Aufklärung ist die Mitarbeit der Museen hierbei von zentraler Bedeutung, die aufgeschlossen gegenüber der Inventarisierung und Sammlungserforschung sein sollten. Denn für öffentliche Institutionen in Westdeutschland, die in ihren Beständen Kulturgut aus SBZ/DDR-Enteignungen feststellen, hat es zwar rechtlich keine Folgen. Sie sind jedoch aus historisch-ethischen Gründen verpflichtet, sich mit dieser Art der Herkunft auseinanderzusetzen. 

Seit Januar 2026 stellt das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste öffentlichen und privaten Kultureinrichtungen finanzielle Mittel zur Erforschung ihrer Objekte zur Verfügung, bei denen der begründete Verdacht besteht, dass sie ihren Eigentümerinnen und Eigentümern aufgrund von staatlicher Verfolgung und Willkür in der SBZ und DDR entzogen worden sind. In Kooperation können diese Provenienzforschungsprojekte nun auch von der Landesstelle gefördert werden.

Der Kontext SBZ/DDR auf einen Blick

Beteiligte und Finanzierung

Förderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste:

Berichte

Quellen und Literatur

Quellen

Literatur

  • Bischof, Ulf: Die Kunst und Antiquitäten GmbH im Bereich Kommerzielle Koordinierung (= Schriften zum Kulturgüterschutz), Berlin 2003.
  • Judt, Matthias: KoKo - Mythos und Realität. Das Imperium des Alexander Schalck-Golodkowski. Der Bereich Kommerzielle Koordinierung, Berlin 2015.
  • Krewer, Peter: Geschäfte mit dem Klassenfeind. Die DDR im innerdeutschen Handel 1949 - 1989, Trier 2008.
  • Müller-Wenzel, Christin: Der Staatliche Kunsthandel in der DDR – ein Kunstmarkt mit Plan? Ein Kompendium, Zugl. Diss., Univ. Marburg 2020
  • Schiemann, Xenia: Die Geschäftsbeziehungen zwischen der Kunst und Antiquitäten GmbH der DDR und dem Londoner Auktionshaus Christie's, in: KUR - Kunst und Recht, Journal für Kunstrecht, Urheberrecht und Kulturpolitik, Teil 1 in Nr. 2|2020, S. 49-54, Teil 2 in Nr. 3/4|2020, S. 77-81.
  • Thomas Finkenauer, Jan Thiessen: Kunstraub für den Sozialismus. Zur rechtlichen Beurteilung von Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR, Sonderband Provenire. Schriftenreihe des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, Berlin 2023.
  • Mathias Deinert, Katja Lindenau, Carina Merseburger, Annette Müller-Spreitz und Alexander Sachse: Welchen Stellenwert hat Provenienzforschung zu Kulturgutverlusten in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR? Diskussionen, Literatur, Initiativen. In: transfer – Zeitschrift für Provenienzforschung und Sammlungsgeschichte / Journal for Provenance Research and the History of Collection 1, 2022, S. 110­121.
  • Handreichung „Kulturgutentzug in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR: Historische Hintergründe – Praxisbeispiele – Rechercheansätze”, herausgegegeben vom Museumsverband Sachsen-Anhalt und dem Museumsverband Brandenburg, 2024.

Ansprechperson

Dr. Marlen Topp

Porträt von Marlen Topp

Provenienzforschung

Telefon:
+49 162 1005188